Fühlen im Arbeitskontext

16. Januar 2021

Kennst Du das? Du trägst schon den ganzen Tag so ein Gefühl mit Dir herum und traust dich aber nicht es anzusprechen. Weil es einfach nicht hier hin gehört! Wirklich? Wieso gehört es hier nicht hin, wenn es hier präsent ist?

Emotionen haben immer ihre Berechtigung - also sollten wir ihnen den Raum auch geben. Doch unser Umfeld macht es uns da nicht immer einfach, denn Emotionen sind nicht immer herzlich Willkommen.

Doch es gibt Modelle und Haltungen, die genau auf diese Ebene eingehen. Das Fühlen. Im Arbeitskontext. Die Ebene "open your heart", stammend aus der Theory U nach Otto Scharmer, spricht genau diese Berechtigung von Emotionen an und noch viel schöner, sie zeigt auf, wie wichtig das Fühlen für uns im Arbeitskontext und vor allem im Veränderungskontext ist. 

Und jetzt mal ehrlich, wir sind mittlerweile alle im Bereich des "Changes" angekommen. Es gibt kein drum herum, es gibt nur den Weg hinein und durch! Und diesen sollten wir Herzlich Willkommen heißen.

Also zurück zu den Emotionen und zu der Ebene "open your heart", sie ist Teil der Theory U, eine Veränderungsmethode nach Otto Scharmer und stellt die Hypothese auf, dass die Ebene des Fühlens elementar wichtig ist, um nachhaltige Transformation zu schaffen. Dabei steht der Mensch mit seinen Emotionen im Mittelpunkt und es werden mehrere Tools vorgestellt, wie diese Öffnung der Herzebene trainiert werden kann. Ganz richtig: es läuft auf zwischenmenschliche Erfahrungen hinaus. Wir können unsere Emotionen und die Öffnung unseres Herzens trainieren wenn wir mit anderen Menschen in einen vertrauten und offenen Austausch kommen und unser tiefes und echtes Selbst zulassen. Unsere Verletzlichkeit zeigen, unsere Ängste aussprechen und unserem Gegenüber vertrauen.

Das hört sich auf der einen Seite banal an, denn viele von uns sind ja jeden Tag mit Menschen in Kontakt und im Austausch, doch wenn wir genau hinschauen, dann sind wir es nicht mit unserem tieferen Selbst, mit unserem wirklichen Fühlen, sondern eher mit unserem Ego, mit unserer Rolle oder nur mit einem Teil von uns. Erst mal ist das auch Ok. Doch wir können anders, wir können mehr

Wieso das Ganze nicht ausprobieren? Wieso nicht auch ganzheitlich im Arbeitskontext auftreten und über Emotionen sprechen dürfen? Und nicht nur sprechen, wirklich auch Fühlen dürfen! Lasst uns das Thema von einem Tabu-Thema zu einem Chancen-Thema transformieren.

Bevor wir anfangen die Gespräche über Emotionen jetzt direkt an unseren unwissenden Kollegen auszuprobieren, laden wir Dich herzlich dazu ein, Dich erst mal mit Deiner eigenen Kommunikation zu beschäftigen. Dazu gibt es ein Modell von Otto Scharmer, welches vier verschiedene Ebenen des Hinhörens darstellt:

Downloading: Diese Ebene bedient Deine Angewohnheiten des Hinhörens, Deine bereits vorhandenen Urteile werden bestätigt. Das weißt Du alles schon und ist nicht neu. Und was nicht in Dein Weltbild passt, das nimmst Du auch nicht auf. Du bleibst bei Deinem Standpunkt der eigenen Angewohnheit - "Ja, ja, kenne ich schon!".

Factual: Du nimmst auf einmal etwas Neues wahr. Es unterscheidet sich von dem, was Du schon weißt und erwartet hast zu hören. Du achtest auf das, was sich von dem Dir schon Bekannten unterscheidet und bist offen und neugierig. Interessant!

Empathic: Du lässt eine Verschiebung der Wahrnehmung zu Deinem Gegenüber zu - Du nimmst eine andere Perspektive ein. Du hast das Gefühl Du kannst fühlen, was Dein gegenüber fühlt. Es fühlt sich für Dich wie eine emotionale Verbindung an und Du empfindest Empathie. Du lässt Deinen eigenen Plan und Deine eigenen Ansichten los und siehst die Welt aus den Augen des Erzählers. Wow!

Generative: Die generative Ebene des Hinhörens wird auch als das schöpferische Hinhören bezeichnet. Du bekommst eine Verbindung zu der neu entstehenden Zukunft, welche sich mit der tiefsten Quelle Deines Selbst verknüpft und harmoniert. Dein Ego rückt in den Hintergrund und Du betrittst einen Raum der Stille und des Werdens. Es entstehen neue Ideen, neue Möglichkeiten und Sichtweisen. Es entsteht etwas Neues. Juhu!

Du fragst dich jetzt was diese vier Ebenen des Hinhörens mit Emotionen zu tun haben? Es geht darum, Deine eigenen Emotionen ausdrücken zu können, als auch Dich für das Hinhören Deines Gegenübers zu sensibilisieren und auch dort die Möglichkeit zu schaffen über Emotionen und tiefergehende Themen zu sprechen. Deshalb erst mal der Ist-Abgleich. Auf welchen Ebenen bewegst du Dich? Was kennst Du und was kennst Du nicht? Was fällt Dir leicht und vor was sträubst Du dich jetzt schon nur beim drüber nachdenken?

Und genau aus diesen Gründen und Fragen, laden wir Dich jetzt herzlich ein, Dich selbst bei Deinen Gesprächen zu beobachten und Dir mal aufzuschreiben, auf welchen Ebenen Du Dich im Alltag bewegst. Und welche der Ebenen Dir am meisten zusagt. Wo willst Du Dich gerne am meisten bewegen - wo willst Du hin?

Und vor allem jetzt, in Zeiten einer Krise, in Zeiten, in denen der Austausch schwerer wird, ist dieses Bewusstsein und diese Übung ganz besonders wichtig. Denn je tiefer und verbundener ein Gespräch für uns ist, desto mehr Energie kann uns ein tolles Gespräch, ein toller Austausch, geben. Übung macht Dich zum Meister.

Nimm Dir die Zeit dazu. Lass es sacken. Beobachte immer wieder und lese Dir die vier Ebenen des Hinhörens noch mal durch. Wenn Du Fragen dazu hast oder jetzt absolut für dieses Thema brennst und Dich weiter damit beschäftigen möchtest, dann findest Du gleich am Ende des Artikels ein paar Links, die Dir noch weitere wertvolle Tipps und Wissen über die Ebene "open your heart" und die Theory U vermitteln.

Auch von uns wird es dazu weiterführende Artikel geben. Eine kleine Reise hin zu der Öffnung des Herzens. Und wir suche nach Begleiter:innen! Bis du dabei? Wir freuen uns, wenn Du uns Deine Erfahrungen mitteilst. Also ab ins Fühlen! 

Weiterführende Links:

Theory U - u.lab: Leading From the Emerging Future

Book: The Essential of Theory U - Otto Scharmer

medium.com: How Are You Listening as a Leader?

Neue Narrative: Theorie U und der blinde Fleck von Führung


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