Die Kraft des Motivationsbriefes

Wie dich ein Motivationsschreiben persönlich nach vorn bringt, und warum du auch dann eins schreiben solltest, wenn gar keins verlangt wird.

Wenn du an den Punkt kommst, wo es ans Bewerbungen schreiben geht, für eine Ausbildung, ein interessantes Jobangebot oder Praktikum, geht es dir sicher wie vielen von uns: Was soll ich bloß ins Anschreiben packen? Wie präsentiere ich mich wohl am besten? Lasse ich meine Zeugnisse und Zertifikate für sich sprechen, oder sollte ich lieber noch einige Erklärungen dazu geben? Um den Bewerbungsprozess ranken sich viele Unsicherheiten. Also höchste Zeit, sich etwas Klarheit zu verschaffen.

Moderne Unternehmen setzen bei der Suche nach neuen Mitarbeitern bereits auf ein Kennenlernen jenseits der üblichen Dokumente und Verfahren. So laden manche Firmen Bewerber in der engeren Auswahl zu gemeinsamen Übungen oder Gesprächsrunden ein, wo ein lebendigerer Eindruck als auf dem Papier entstehen kann. Ein weiteres Medium wird dabei immer beliebter: der Motivationsbrief. Und dieser bietet dir als Bewerber wunderbare Möglichkeiten.

Denn was den Unternehmen einen Einblick in deine Impulse und Anreize bieten soll, ist für dich umso mehr eine Chance, mal in dich hinein zu horchen. Was treibt dich im Innern an? Was lässt dein Herz höher schlagen? Wo bist du immer ganz Ohr und nicht zu bremsen? Wo spürst du deine Talente aufflammen und bist ganz in deinem Element? Bei welchen Aktivitäten vergisst du jedes Mal die Zeit, oder was um dich herum passiert? Fast jeder kennt diesen wundervollen Moment, wenn man plötzlich wieder auftaucht aus dem Meer des ganz in sich versunkenen Machens. Und sich danach stärker und energiegeladener fühlt.

Wenn du so etwas spürst, weißt du intuitiv: das sind die Themen und Bereiche, welche für dich persönlich die stärkste Motivation auslösen, und wo du auch mal eine anstrengende Phase oder Durststrecke durchstehen kannst. Denn das »Warum« dahinter ist für dich jederzeit spürbar. Das wird auch intrinsische Motivation genannt, eben weil es wie von selbst aus dir heraus entsteht, und niemand von außen dich erst dazu animieren muss.

Im zweiten Schritt kannst du dich fragen, ob und wie stark deine intrinsische Motivation zu deinem Ausbildungsplan oder deiner Berufswahl passt. Kannst du deine persönlichen Wünsche und Ideen in diesem Feld entfalten und ausleben? Wirst du dort Fähigkeiten erwerben und ein Umfeld vorfinden, welches deine Talente und Ambitionen fördert?

Dabei darfst du gern ein wenig tiefer graben, und dich auch kritisch fragen: Was von dem, was ich gern tun möchte oder bisher mache, entspringt wirklich meiner intrinsischen Motivation, und was wurde vielleicht von außen an mich herangetragen? Denn wir alle sind natürlich stark geprägt von den Erwartungen und Vorstellungen unseres direkten Umfeldes wie Eltern, Verwandte oder Freunde, sowie des größeren Umfeldes wie der Schule und der Gesellschaft. Diese von außen kommenden Stimmen sind gar nicht so leicht von der eigenen, inneren Stimme zu unterscheiden. Gerade wenn diese im fürsorglichen und wohlmeinenden Gewand auftreten.

Mit den ehrlichen Fragen an dich selbst, die du für deinen individuellen Motivationsbrief stellst, kannst du diese innere Stimme stärken und lauter werden lassen. Eine weitere gute Übung ist, dein direktes Umfeld zu deinem Schreiben zu befragen: Was meint ihr, warum liegt mir gerade dieser Ausbildungsweg oder diese Arbeitsstelle? Und dann höre einmal genau hin, was sie für besonders entscheidend halten. Nennen sie nur äußere Motivatoren, wie viel Geld verdienen, eine sichere Stellung haben oder die Anerkennung anderer erwerben? Oder geht es vorrangig um dich und deine Wünsche, Talente und Fähigkeiten?

Vielleicht findest du bei diesem Prozess heraus, dass du bereits auf deinem richtigen Weg bist, und kannst jetzt noch gezielter und mit mehr Schubkraft deine nächsten Schritte gehen. Wenn du aber entdeckst, dass du deine Route noch ein wenig justieren oder gar etwas ganz anderes machen möchtest, ist das ok. Es ist ein gutes Zeichen dafür, dass deine innere Stimme stärker wird und dir eine Richtung aufzeigt, welche dir entspricht, und wo du deine eigenen Wünsche und Ideen entfaltest. Gerade vor einer großen Entscheidung wie deiner Ausbildung oder deinem Start ins Berufsleben sind diese Erkenntnisse Gold wert. Aber auch an anderen Punkten im Leben ist ein Blick nach innen oder über den Tellerrand eine lohnende Sache. Denn das führt zu deinem individuellen Lebensentwurf, mit dem du glücklich bist. Dabei darfst du dir viel Inspiration und Hilfe holen, und auch Umwege erkunden.

Ein Motivationsbrief bietet eine wunderbare Möglichkeit, viel über dich selbst zu erfahren, und deine Bewerbung ganz zu deiner eigenen zu machen – indem du deine authentische innere Stimme sprechen lässt. Somit gibst du dem potenziellen Ausbilder oder Unternehmen ebenfalls die Möglichkeit, dich als ganze Person kennenzulernen, und sich auf dich und deine Wünsche und Ambitionen einzustellen. Auch wenn gar kein Motivationsschreiben verlangt wird, verleihst du damit deiner Bewerbung und deinen weiteren Schritten einen kraftvollen Ausdruck. Schreibe diesen Brief also vor allem an dich selbst.