Bewerbungsgespräche: Reise in eine skurrile Welt

…und was wir dabei lernen können. – die ehrliche Sicht eines Arbeitgebers

Bewerbungsgespräche!
Selten gibt es zwischen zwei Menschen ein Thema, in dem in so kurzer Zeit über so viel Zukunft entschieden wird. Tatsächlich kommt dem Bewerbungsgespräch im gesamten Einstellungsprozess die höchste Beachtung zu. Wir bemühen uns mit immer ausgefalleneren Fragen und unter größter Anstrengung, möglichst viel über unseren Gesprächspartner herauszufinden, während dieser im besten Fall das Gleiche tut. Die Zeit bleibt natürlich der limitierende Faktor, sodass wir uns komprimiert darstellen und ausdrücken sollten – insgesamt eine verschärfte Gesprächssituation, die wir im Bewerbungsinterview erleben.

Da wundert es wirklich niemanden, wenn die meisten Bewerber total nervös ins Gespräch starten, und manchmal vor Anspannung beben und zittern.

Unternehmer aufgepasst – hier können wir unheimlich positiv wirken, und sollten ein großes Interesse daran haben, dass die Nervosität möglichst schnell abklingt. Warum? Wir brauchen einen guten Zugang zum Gesprächspartner, um die richtige Entscheidung über einen möglichen Arbeitsvertrag treffen zu können.

Bewerber aufgepasst – tief in den Bauch durchatmen. Macht euch klar, hier geht es auch für euren potenziellen Chef um die Wurst. Deshalb haben die Unternehmer allen Grund, mindestens genauso nervös zu sein. Ihr dürft und solltet selbst Fragen stellen. Genießt dabei die Erfahrung und lernt den Menschen, der euch gegenüber sitzt, wirklich kennen – soweit es eben geht.

In kleinen und mittelständischen Unternehmen ist das Vorstellungsgespräch häufig Chefsache, was ich auch absolut empfehlen kann. In Anbetracht kleiner Teams und dem Wunsch nach einer klaren Unternehmenskultur kommt der Auswahl passender Kandidaten eine besondere Bedeutung zu. Die richtige Teamkomposition ist essenziell – ja, sogar existenziell – für Startups und kleine Unternehmen gleichermaßen. Gerade die Gründer und Chefs wollen natürlich am liebsten das perfekte Team zusammenstellen. Das ist eine ganz eigene Kunst, die mit viel persönlicher Entwicklung der Personalchefs, wachsender Erfahrung und einem guten Schuss Empathie immer besser gelingen wird.

Den gesamten Einstellungsprozess sollte man also nicht dem Zufall überlassen – daher auch die Betonung auf »Prozess«. Das impliziert schon einige Stufen und mehrere Kontaktpunkte mit den potenziellen Teammitgliedern und zukünftigen Mitarbeitern. In modernen Firmen wird es also nicht nur ein einziges Interview geben, sondern ihr werdet häufiger aufeinandertreffen und in den Austausch treten. Stellt euch also darauf ein und erfragt gleich am Anfang eine kleine »Roadmap« über die Stufen des Einstellungsprozesses. Pro-Tipp: Es ist ein echtes Qualitätsmerkmal, wenn eine Firma solch einen klaren Prozess etabliert hat. Vielleicht hilft euch das bei eurer Entscheidung.

Auch ich lasse mir kein persönliches Bewerbungsgespräch entgehen und bemühe mich als Arbeitgeber stets, einen intensiven Eindruck von den Kandidatinnen und Kandidaten zu gewinnen. Egal, wie voll mein Terminkalender als Chef sein mag: für die Zukunft des Nachwuchses in meinem Unternehmen nehme ich mir alle Zeit – und diese war immer sehr gut investiert.

Aus dem großen Fundus unzähliger Gespräche möchte ich einige besonders witzige und skurrile Situationen mit euch teilen, und was wir daraus lernen können. Ich glaube gerade die Sicht eines Arbeitgebers ist für Berufseinsteiger, Auszubildende und auch erfahrene Arbeitnehmer besonders wertvoll. Welche Erkenntnisse wir daraus für das nächste Bewerbungsgespräch ziehen können, veranschaulichen die folgenden Geschichten:

1) Ihre Majestät erwägt den Job
2) Ein Tag als Chef
3) Wer bist du eigentlich?

Alle Erzählungen und Ereignisse wurden natürlich sehr wohlwollend betrachtet, und finden im Einverständnis der Kandidaten statt.

»Ein klarer Einstellungsprozess ist ein Qualitätsmerkmal des Unternehmens.«
– Gründer der Minevo Akademie